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«Früher war ich die Einzige mit Teilzeitjob»

Familie und Karriere in der Energiebranche? Für Ana-Marija Vasic lange eine Herausforderung. Heute vereint sie beides erfolgreich. Im Interview erzählt sie, was sie an ihrem Beruf liebt und warum sie Frauen ermutigt, in die Branche einzusteigen.

Publiziert 25.03.2025 Lesedauer 4 min

Ana-Marija, du bist Portfoliomanagerin im Team Energiewirtschaft und unter anderem für die Strombeschaffung verantwortlich. Was bedeutet das konkret?

Ich beschaffe Strom auf dem freien Markt für den Betrieb unserer Anlagen. Unsere Energieverbünde liefern Wärme, die sie mit Wärmepumpen erzeugen, die wiederum Strom brauchen. An unseren Ladestationen «tanken» die Kund*innen Strom. Mein Job ist es, dies zu einem möglichst günstigen Preis zu ermöglichen. Damit ich unser Stromportfolio jedoch managen kann, baue ich es auf und bin gleichzeitig ein «Portfolioengineer». Das Engineering besteht derzeit vor allem darin, einen Überblick über unsere Anlagen zu gewinnen.

Wie erklärst du deinen Job auf einer Party?

Ich bezeichne mich dann oft als Energiewirtschafterin.

Wie reagieren die Leute darauf?

Viele hören den Beruf zum ersten Mal. Und oft kommt die Frage: «Gibt es viele Frauen in dem Bereich?» Das kenne ich schon aus dem Studium. Ich habe Elektrotechnik an der ETH studiert. Von 180 Studierenden waren wir gerade mal fünf Frauen. Zum Glück hat sich das mittlerweile etwas geändert: Es gibt deutlich mehr Frauen, die im Energiebereich tätig sind. Mir fallen gleich drei bedeutende Energieversorgungsunternehmen in der Schweiz mit einer weiblichen CEO ein. Eine Mitstudentin ist heute zudem Professorin für Elektrische Energiesysteme an der ETH.

Um ihre Tätigkeit leichter verständlich zu machen, bezeichnet sich Ana-Marija auch gerne als Energiewirtschafterin.

Musstest du deine Studienwahl rechtfertigen?

Manchmal. Auf Studipartys erlaubte ich mir oft ein Spässchen und liess die Leute raten, was ich studiere. Die häufigsten Antworten? Publizistik, Jus oder Politologie. Elektrotechnik erwartete niemand. Das war übrigens auch ein guter Trick, um unliebsame Verehrer abzuschütteln. (lacht) Beim Gedanken, dass ich von Mathematik mehr verstehe als sie, verloren sie schnell das Interesse und das Gespräch war beendet.

Gab es Situationen, in denen du als Frau bewusst anders behandelt wurdest?

Ja, und es war nicht immer einfach. Vor einigen Jahren arbeitete ich für ein Unternehmen, in dem ich in eine Führungsposition aufsteigen wollte. Mein Vorgesetzter ist dann tatsächlich weitergezogen, sodass sich die Chance ergab. Stattdessen bekam aber ein Mann die Stelle, der von aussen kam und fachlich weniger qualifiziert war. Das war bitter, denn ich war gerne dort beschäftigt. Ich überlegte lange, ob die Energiebranche wirklich das Richtige für mich ist. Und ich kam zum Schluss: Ja, das ist sie.

Was verleiht deinem Job das gewisse Etwas?

Bevor man sich mit ihr beschäftigt, wirkt die Energieversorgung für viele langweilig. Sie ist halt einfach immer da und funktioniert. Doch ohne sie würde alles stillstehen – das macht sie enorm spannend. Wenn sich diese Erkenntnis in Partygesprächen breitmacht, wandelt sich Langeweile dann häufig in Bewunderung. Wir sind am Puls der Gesellschaft. Wir geben täglich unser Bestes für eine zuverlässige und preiswerte Energieversorgung.

  • «Ich überlegte lange, ob die Energiebranche wirklich das Richtige für mich ist. Und ich kam zum Schluss: Ja, das ist sie.»

    Ana-Marija Vasic

    Portfoliomanagerin, Energie 360°

  • Welche Fähigkeiten sind in deiner Position besonders wichtig?

    Man muss Zahlen lieben und ein gutes Vorstellungsvermögen haben. Manchmal beneide ich Unternehmen, die ihre Produkte anfassen und verpacken können. Denn bei ihnen sehen die Kund*innen, was sie kaufen, bevor sie es bezahlen und konsumieren. In der Energieversorgung läuft vieles virtuell ab. Man muss gut erklären und noch besser zuhören können.

    Wie bist du zur Energiebranche gekommen?

    Bei meinem ersten Job in der Abgasforschung kam ich erstmals mit dem Thema Umwelt und Energie in Berührung. Dort beschloss ich, in die Energiebranche zu gehen. Schliesslich habe ich mich auch damals für mein Studium entschieden, weil ich der Überzeugung war, dass Elektrizität die Energieform der Zukunft ist.

    Du arbeitest aktuell in einem reinen Männerteam. Wie erlebst du die Dynamik im Alltag?

    Ich mag mein Team sehr. Die Kollegen sind zuvorkommend – sie halten mir oft die Tür auf. (lacht) Ich arbeite aber auch oft allein oder mit anderen Abteilungen, in denen es auch viele Frauen gibt. Manchmal frage ich mich, ob das Zwischenmenschliche in einem gemischten Team noch mehr zur Sprache kommen würde. Aber ich geniesse es auch, das Huhn im Korb zu sein.

    Ana-Marija Vasic arbeitet in einem reinen Männerteam und motiviert weitere Frauen dazu, in der Energiebranche Fuss zu fassen. Sie sagt: «Es lohnt sich.»

    Was hält deiner Meinung nach viele Frauen davon ab, in deiner Branche Fuss zu fassen?

    In einem männerdominierten Umfeld wird häufig ausschliesslich Vollzeit gearbeitet. Ich war stets die Einzige, die eine Ausnahme bildete. Diese Gedanken, vor allem über Jobsharing, beschäftigten mich bereits in der Kanti. Heute teile ich mir mit meinem Mann den Haushalt und die Kindererziehung – und das ist unglaublich anstrengend. Beruf und Familie zu vereinen, bleibt eine Herausforderung. Glücklicherweise gibt es immer mehr Frauen, die mir folgen und den Schritt wagen, sowie Männer, die im Leben ihrer Kinder präsent sein wollen.

    Welchen Ratschlag gibst du jungen Frauen, die in die Energiebranche einsteigen wollen?

    Bleibt immer berufstätig und reduziert das Pensum nicht unter 60%. Wer zu lange draussen ist, hat es schwer, wieder reinzukommen. In kurzer Zeit ändert sich bereits vieles, und ihr verliert den Faden. Und: Bleibt dran, bleibt hartnäckig – es lohnt sich.

    Entweder-oder-Fragen

    Tee oder Kaffee?

    Kaffee! Den brauche ich mehrmals täglich. (lacht)

    Morgenmensch oder Nachteule?

    Beides – von Natur aus Nachteule. Im Job brauche ich den Morgenmenschen.

    Tanzen oder Singen?

    Tanzen. Singen kann ich leider überhaupt nicht.

    Kopf- oder Bauchentscheiderin?

    Kopf. Unter «durchdacht» findest du im Lexikon mein Bild. (lacht)

    Zeitreisen: Vergangenheit oder Zukunft?

    Muss ich mich entscheiden? Ich würde gerne gewisse Momente der Geschichte erleben: die erste Fahrt eines Automobils, die erste Mondlandung, die Entdeckung von Penicillin. Ich bin aber auch sehr neugierig, wie es in Zukunft aussehen wird. Wie wird sich die künstliche Intelligenz auf uns auswirken, wenn jede*r über eine persönliche Assistenz verfügt?

    Eine Woche ohne Handy oder ohne Spiegel?

    Ich brauche beides häufig. Aber das Handy ist schon die Verbindung zur Welt. Und kann auch als Spiegel dienen – darum eine Woche ohne Spiegel. (lacht)

    Was hältst du von den Arbeitsmodellen bei Energie 360°?

    Die sind grossartig. Ich kann flexibel und im Homeoffice arbeiten, was die Balance zwischen Familie und Beruf erleichtert. Mittlerweile bin ich aber häufig im Büro, weil ich den persönlichen Austausch mit meinen Kolleg*innen sehr schätze. Noch besser als die Modelle finde ich aber die Unternehmenskultur: Jede*r wird ernst genommen und kann einen wichtigen Beitrag leisten. Das spüre ich jeden Tag.

    Gab es weibliche Vorbilder, die dich inspiriert haben?

    Ja, Angela Merkel war lange ein solches Vorbild. Sie hat bewiesen, was mit Durchhaltevermögen möglich ist, und liess sich auf ihrem Weg nicht beirren. Sie blieb mit einer Selbstverständlichkeit, und irgendwann fragten sich kleine Jungs, die es nicht anders kannten, ob auch ein Mann wohl Kanzler werden kann. (lacht) Aber auch in der Schweizer Politik oder in der Energiebranche gibt es Frauen, die wichtige Positionen bekleiden und zeigen, dass Kompetenz nichts mit dem Geschlecht zu tun hat. Das stellt mich immer wieder auf.

    Zum Schluss: Weshalb wirst du im Alltag eigentlich Marina genannt?

    Auch das hat mit einem meiner grossen Vorbilder zu tun. In den 70er-Jahren gab es ein Lied mit diesem Namen. Mein heimlich rebellisches Grosi liebte es. Obwohl meine Eltern einen anderen Namen für mich vorgesehen hatten, nannte sie mich einfach Marina. Normalerweise war sie ein sehr umgänglicher Mensch, aber wenn ihr etwas wichtig war, setzte sie sich auf ihre eigene Weise durch. Diese Entschlossenheit habe ich immer bewundert.

  • Ana-Marija Vasic schätzt die flexiblen Arbeitsmodelle bei Energie 360°: «Sie erleichtern die Balance zwischen Beruf und Familie.»

  • Der persönliche Austausch mit ihren Kolleg*innen ist für die Portfoliomanagerin unerlässlich.

  • Für die Ausübung ihres Jobs sind vor allem zwei Voraussetzungen wichtig: die Liebe zu Zahlen und ein gutes Vorstellungsvermögen.

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