«Ohne Rechenzentren stünde unser Alltag still»
Rechenzentren haben sich zum unsichtbaren Rückgrat der digitalen Gesellschaft entwickelt. Sergio Milesi spricht im Interview über ihre unverzichtbare Rolle, die Energieeffizienz und darüber, wie wichtig innovative Ansätze zur Abwärmenutzung sind.
Publiziert 25.03.2025 Lesedauer 3 minHerr Milesi, Sie vertreten mit der Swiss Data Center Association die Interessen der Schweizer Betreiber von kommerziellen Rechenzentren. Welche Themen stehen zurzeit in Ihrem Fokus?
Wir haben drei Schwerpunktthemen definiert: Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation und Nachhaltigkeit. Wir möchten zeigen, wie unverzichtbar Rechenzentren in der Schweiz sind – ohne sie stünde unser Alltag still. Das betrifft etwa das Gesundheitswesen, den Verkehr oder die Kommunikation untereinander. Beim Thema Nachhaltigkeit geht es nicht zuletzt um Energieeffizienz: Moderne Rechenzentren sparen Energie, weil sie zentralisiert arbeiten.
«Die Nutzung von Abwärme aus Rechenzentren ist ein wertvoller Beitrag zur Transformation des Energiesystems.»
Sergio Milesi
Präsident Swiss Data Center Association
KI, Blockchain, das «Internet der Dinge» – diese Entwicklungen benötigen sehr viel Energie. Welchen Beitrag leisten Sie und Ihre Mitglieder zur Erreichung der Klimaziele?
Zunächst liegt die Effizienz im Interesse der Betreiber, da Strom eine Hauptkostenquelle darstellt. Zusätzlich zu den bestehenden Regelungen und Vorschriften haben wir die Swiss Datacenter Efficiency Association (SDEA) mitbegründet, die die Optimierung des Energieverbrauchs durch ganzheitliche Messmethoden unterstützt. Beispielsweise weist ein tiefer PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) darauf hin, dass fast die gesamte eingesetzte elektrische Energie direkt für den Betrieb der IT genutzt wird. Vor einigen Jahren waren die PUE-Werte unserer Mitglieder noch deutlich höher als heute. Nochmals: Professionelle Rechenzentren sparen Energie. Würden alle Firmen ihre eigenen privaten Rechenzentren betreiben, wäre der Energieverbrauch deutlich höher.
Ihr Verband arbeitet auch mit Partnerunternehmen wie Energie 360° zusammen. Wo sehen Sie Synergien?
Rechenzentren sind mittlerweile als kritische Infrastruktur anerkannt. Daher braucht es einen Verband, der den Austausch mit allen relevanten Partnern fördert, um Lösungen für die Zukunft zu entwickeln. Ein gutes Beispiel ist die Zusammenarbeit von Green in Dielsdorf mit Energie 360°. Hier wird die Abwärme genutzt, um rund 11 500 Haushalte in sechs Gemeinden mit erneuerbarer Wärme zu versorgen – ein wertvoller Beitrag zur Transformation des Energiesystems.
Durch eine Abwärmeauskopplung wird die Wärme ausgeleitet und in der Energiezentrale von Energie 360° auf das benötigte Temperaturniveau gebracht.
In Rechenzentren entsteht viel Wärme. Warum ist das so?
Abwärme ist ein Nebeneffekt bei der Datenverarbeitung. Sobald ein Rechner Strom zieht, wandelt er elektrische Energie in Rechenleistung um, was beinahe 100% an Wärme erzeugt.
Welche technologischen Innovationen könnten die Abwärmenutzung noch verbessern?
Eine vielversprechende Entwicklung ist die Immersionskühlung, bei der Prozessoren direkt in eine spezielle Kühlflüssigkeit getaucht werden. Zurzeit werden die Geräte mit Klimaanlagen gekühlt; die Abluft erreicht etwa 25 bis 35 °C. Diese Luft muss, damit sie als Heizenergie genutzt werden kann, wiederum auf ein höheres Temperaturniveau gebracht werden. Mittels Immersionskühlung lässt sich die Wärme jedoch direkt an der Quelle aufnehmen – die Kühlflüssigkeit erreicht dadurch wesentlich höhere Temperaturen und kann mit deutlich weniger Energieaufwand direkt genutzt werden. Diese effiziente Technologie ist bereits verfügbar und wird sich vermutlich in naher Zukunft durchsetzen.
Zur Person
Sergio Milesi (62) ist Präsident der Swiss Data Center Association sowie CEO von Gas & Com, an der Energie 360° über ihre Tochterfirma Erdgas Ostschweiz beteiligt ist. Der ausgebildete Elektroingenieur ETHZ sammelte über 25 Jahre Berufserfahrung bei nationalen und internationalen Firmen in der ICT-Branche.
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